Hier erklären wir Ihnen die Begrifflichkeiten der Esoterik - von A wie Aberglaube bis zu Z wie Zukunft
Das Rider-Waite-Tarot nimmt innerhalb der Tarotgeschichte eine besondere Stellung ein. Es markiert den Übergang von schwer zugänglichen Kartensystemen zu einer Bildsprache, die auch ohne tiefes Vorwissen verstanden werden kann. Bis heute prägt dieses Deck die Art, wie Tarot gelehrt, genutzt und interpretiert wird.
Seine Bedeutung ergibt sich weniger aus einzelnen Aussagen als aus seiner Wirkungsgeschichte. Das Rider-Waite-Tarot ordnete vorhandene Symbolik neu, machte sie sichtbar und schuf damit einen Maßstab, an dem sich spätere Decks orientierten.
Die Geschichte des Tarots reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. In dieser Zeit entstanden in Norditalien erste Kartenspiele, die vor allem der Unterhaltung dienten. Diese frühen Karten unterschieden sich deutlich von dem, was heute unter Tarot verstanden wird. Erst im Laufe der Jahrhunderte wurden allegorische Darstellungen ergänzt, die über reine Spielfunktionen hinausgingen.
Im 15. Jahrhundert tauchten Kartensätze auf, die komplexere Bildmotive zeigten. Besonders das Sola-Busca-Tarot gilt als wichtiger Meilenstein, da es bereits vollständig illustrierte Zahlenkarten enthielt. Diese visuelle Ausarbeitung blieb lange eine Ausnahme, beeinflusste jedoch spätere Entwicklungen nachhaltig.
Mit der Zeit begannen Gelehrte und Symbolforscher, Tarotkarten mit philosophischen und spirituellen Konzepten zu verbinden. Hermetik, Kabbala und alchemistische Vorstellungen prägten die Deutungsansätze, ohne jedoch ein einheitliches System hervorzubringen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts griff Arthur Edward Waite diese Traditionen auf. Als Mitglied des Hermetic Order of the Golden Dawn verfügte er über umfassende Kenntnisse symbolischer Systeme. Sein Ziel bestand darin, Tarot nicht neu zu erfinden, sondern vorhandene Inhalte verständlicher zu ordnen.
Die Veröffentlichung des Rider-Waite-Tarots im Jahr 1910 stellte einen Wendepunkt dar. Erstmals wurden alle Karten – auch die der kleinen Arkana – mit klaren Szenen versehen. Diese Entscheidung veränderte die Nutzung des Tarots grundlegend. Bedeutung musste nicht mehr aus abstrakten Zahlen oder Mustern abgeleitet werden, sondern konnte direkt aus dem Bild heraus erschlossen werden.
Pamela Colman Smith setzte Waites Konzept grafisch um. Ihre Illustrationen zeigen Menschen in Handlung, Landschaften mit Stimmung und Symbole in nachvollziehbaren Zusammenhängen. Der Verleger William Rider machte das Deck einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und gab ihm seinen Namen.
Das Rider-Waite-Tarot umfasst 78 Karten, gegliedert in große und kleine Arkana. Diese Struktur war bereits vor Waite bekannt, erhielt jedoch durch seine Ausarbeitung eine neue Klarheit.
Die großen Arkana bilden eine Abfolge übergeordneter Themen, die sich als Entwicklungslinien lesen lassen. Die kleinen Arkana greifen alltägliche Erfahrungen auf und ordnen sie vier Lebensbereichen zu. Durch die szenische Darstellung entstand ein geschlossenes System, das historische Symbolik mit lebensnahen Bildern verband.
Gerade diese Verbindung trug dazu bei, dass das Deck nicht nur innerhalb esoterischer Kreise, sondern auch darüber hinaus Beachtung fand. Tarot wurde damit zu einem Werkzeug, das nicht zwingend an eine bestimmte Weltanschauung gebunden war.
Das Rider-Waite-Tarot beeinflusste nahezu alle späteren Tarotdecks. Viele moderne Varianten greifen seine Bildmotive direkt auf oder orientieren sich an seiner Grundstruktur. Selbst dort, wo Gestaltung oder kultureller Kontext verändert wurden, bleibt das System erkennbar.
Auch in der Vermittlung setzte sich das Deck durch. Lehrbücher, Kurse und Deutungsmodelle beziehen sich bis heute auf die von Waite eingeführte Bildlogik. Dadurch wurde eine gemeinsame Sprache geschaffen, die den Austausch über Tarot erleichtert.
Diese Standardisierung erklärt, warum das Rider-Waite-Tarot bis heute als Referenz gilt. Es dient nicht als starres Vorbild, sondern als Ausgangspunkt für individuelle Zugänge.
Während Tarot ursprünglich als Spiel begann, entwickelte es sich schrittweise zu einem Symbolsystem für persönliche Fragestellungen. Das Rider-Waite-Tarot beschleunigte diesen Wandel. Die Karten wurden zunehmend als Spiegel innerer Prozesse verstanden, nicht als Mittel zur Vorhersage fester Ereignisse.
Im 20. Jahrhundert fand das Tarot Eingang in künstlerische, philosophische und spirituelle Diskurse. Die klaren Bilder von Pamela Colman Smith erleichterten es, Karten als Projektionsflächen für Gedanken und Gefühle zu nutzen. Dadurch entstand eine Nutzung, die weniger auf feste Deutungsvorgaben setzte und stärker auf persönliche Auseinandersetzung ausgerichtet war.
Auch heute bleibt das Rider-Waite-Tarot präsent. Es wird in gedruckter Form ebenso genutzt wie in digitalen Anwendungen. Online-Plattformen, Apps und Lernangebote greifen auf das vertraute Bildmaterial zurück und übertragen es in neue Formate.
Gleichzeitig entstehen moderne Decks, die gesellschaftliche oder kulturelle Perspektiven einbeziehen. Trotz dieser Vielfalt bleibt das ursprüngliche System erkennbar. Die Struktur des Rider-Waite-Tarots dient weiterhin als Fundament.
Die Bedeutung des Rider-Waite-Tarots liegt nicht in einzelnen Karten, sondern in seiner Gesamtwirkung. Es machte Tarot verständlich, zugänglich und vermittelbar. Durch klare Bilder schuf es eine Brücke zwischen Tradition und individueller Erfahrung.
Wer sich heute mit Tarot beschäftigt, begegnet diesem Deck fast zwangsläufig. Es bildet den Rahmen, innerhalb dessen persönliche Deutungen entstehen können, ohne feste Aussagen vorzugeben.
Weil es erstmals alle Karten mit szenischen Darstellungen versah und damit neue Zugänge eröffnete.
Ja, Tarot existierte bereits mehrere Jahrhunderte früher, jedoch in anderer Form.
Sie schuf die Bildsprache, die das Deck bis heute prägt.
Nein, es nutzt verschiedene Symboltraditionen ohne feste Bindung.
Ja, die Symbolik bleibt offen für zeitgemäße Deutungen.
Weitere Informationen finden Sie im Beitrag Rider Waite Tarot - Kartenlegen bei Entscheidungsschwierigkeiten.
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